Geschichtliches - Die Dorfkirche in Oberwambach - Autor Willi Wirth

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Die Dorfkirche in Oberwambach

Die Ev. Kirchengemeinde Almersbach stellt insofern eine Ausnahme dar, als sie nur einen Pfarrer, aber zwei Gotteshäuser
hat: eine Kirche in Almersbach und eine im benachbarten Oberwambach. Welches der beiden Dörfer das ältere Kirchdorf ist, lässt sich nicht mehr exakt feststellen.

Zwar befindet sich heute in Almersbach das weitaus ältere der beiden Gotteshäuser; viele Anzeichen sprechen aber dafür, dass Oberwambach das ältere Kirchdorf ist. Zu diesem Ergebnis ist der allzu früh verstorbene Heimatdichter
Karl Ramseger-Mühle, selbst viele Jahre Oberwambacher Mitbürger, bei seinen Nachforschungen gekommen.
Er hat festgestellt, dass sich lange vor Errichtung der jetzigen Kirche in Almersbach schon eine Kapelle in Oberwambach befand. Ihre Bauzeit soll auf das zehnte Jahrhundert zurückgehen und sich in etwa mit der Entstehung des Dorfes Oberwambach decken.

Es hat sich hierbei um eine Waldkapelle gehandelt, die eine Gräfin aus Holz hat bauen lassen. Etwa um 1400 wurde sie aus Steinen erneuert. Sie stand auf dem jetzigen Anwesen Aschenbrenner Ecke Schulstraße/Im Heldengarten.
Der Standort ist möglicherweise auch eine Erklärung dafür, dass man später in Oberwambach hier mit der Nummerierung der Häuser begonnen hat, die bis zur Einführung von Straßenbezeichnungen im Jahre 1968 galt.

Die Kapelle war in einem länglichen Viereck gebaut, das nach Osten allmählich in den Chor überging. Der Eingang befand sich im Westen. Mitten auf dem Schiff war der Turm mit zwei Glocken. Er ruhte auf drei mächtigen Eichen. In dem Chor befand sich der Altar. Dem Chor gegenüber und an den beiden Längsseiten waren Galerien. Hier nahmen die männlichen Gottesdienstbesucher Platz. Die Frauen saßen, von den Männern streng getrennt, im Schiff.

Aus Eichenholz waren auch die Galerien, die Stühle und der Altar gefertigt. Von den Stühlen befanden sich in späteren Jahren noch einige in Oberwambach im Gebrauch. Der Altar war noch bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz der Familie des heute 98jährigen Karl Ramseger. Sie nutzte ihn als Tisch in der guten Stube. Abgebrochen wurde die Kapelle wegen angeblicher Baufälligkeit im Jahre 1847. Den Abbruch hat der damalige Pfarrer Rehorn veranlasst. Er musste nämlich alle 14 Tage in der Oberwambacher Kapelle predigen. Diesen Dienst soll er jedoch nicht gerne verrichtet haben. Deshalb hat er sich im Jahre 1842 an die Altenkirchener Baubehörde gewandt, um die Kapelle für baufällig erklären zu lassen. Mit dem von der Baubehörde angeordneten Abbruch aber waren die Oberwambacher nicht einverstanden, weil sie von der Baufälligkeit nicht überzeugt waren.

Als dann der Altenkirchener Landrat mit den Gendarmen erschien, um in seiner Gegenwart mit dem Abbruch zu beginnen, sollen die Leute, so ist zu lesen, "mit allen möglichen Mordinstrumenten" bewaffnet energischen Widerstand geleistet haben. Man hat zunächst wieder unverrichteter Dinge abziehen müssen. Der Abbruch aber war nur aufgeschoben. Um ihn "zu bewerkstelligen", ist es nötig gewesen, die Gendarmerie der ganzen Umgebung aufzubieten.
Dabei hat sich herausgestellt, dass die Oberwambacher bezüglich der Baufälligkeit recht hatten und hiervon keine Rede sein konnte. An gleicher Stelle wurde dann ein Glockenstuhl errichtet, in dem morgens, mittags und abends sowie bei Trauungen und Beerdigungen geläutet wurde.

Dorfkirche OberwambachDie Oberwambacher aber konnten sich nicht damit abfinden, nach vielen Jahren kein Gotteshaus mehr im Dorf zu haben. Seit dem Abbruch der Kapelle hat man sich immer wieder mit der Frage beschäftigt, auf welche Weise Oberwambach wieder zu einer Kirche kommen könne. Das änderte sich nach dem Tode von Pfarrer Rehorn im Jahre 1861.

Sein Nachfolger, Pfarrer Brauneck, stand dem Neubau einer Kirche in Oberwambach "sympathisch" gegenüber. Er nahm die "Sache" in die Hand. Das Geld wurde größtenteils durch Sammlungen aufgebracht. Ferner bekam man aus der Kollekte für die bedürftigen Gemeinden der Rheinprovinz eine "große Gabe" von 3.000 Mark. Die Gemeinde Oberwambach verpflichtete sich, aus ihrem Steinbruch die Steine zu liefern. Da das Material sich aber als unbrauchbar erwies, wurde sie gegen ein .Äquivalent" von 2.400 Mark von dieser Verpflichtung entbunden.

Im Herbst 1869 übertrug man den Bau der Kirche für 24.000 Mark dem Bauunternehmer Dickel aus Nümbrecht, Kreis Waldbröl. Die Steine wurden einem Bruch im benachbarten Herpteroth entnommen und der Sand in Rückeroth, damals Unterwesterwaldkreis, geholt.
Die Zimmerarbeiten führte eine Siegburger Firma, die Glaserarbeiten eine Firma aus Bann und die Schreinerarbeiten Firmen aus Helmenzen und Anhausen aus. Mit den Arbeiten konnte im Frühjahr 1870 begonnen werden. Am 18. Mai 1870 fand die Grundsteinlegung statt. Dann mussten die Bauarbeiten wegen der Kriegsereignisse 1870/71- zwei Söhne des Unternehmers waren zum Kriegsdienst eingezogen worden - unterbrochen werden. Trotzdem konnte die Kirche schon am 25. Oktober 1871 eingeweiht werden.

Damit hatten nicht nur die Oberwambacher, sondern das ganze "Oberkirchspiel" wieder ein Gotteshaus. Die erste Konfirmation in der neuen Kirche fand am 12. Mai 1872 statt. Zu den damaligen Konfirmanden gehörte auch Henriette Kalb aus Oberwambach.

Auf eine Orgel allerdings musste man in der Oberwambacher Kirche noch lange warten. Das soll an dem damaligen Pfarrer Müller gelegen haben, auf dessen Widerstand die Anschaffung einer Orgel über viele Jahre hinweg gestoßen war. Er soll wörtlich gesagt haben: "Ich will kein Spielding in der Kirche haben". Kantor war der von 1869 bis 1909 an der Oberwambacher Schule tätige Lehrer Gerhard Lindscheid. Als solcher musste er in der Kirche vorsingen, weshalb der Pfarrer eine "musikalische Begleitung der gottesdienstlichen Gesänge" nicht für erforderlich hielt.

Als schließlich am 1. Oktober 1909 Pfarrer Müller pensioniert wurde und an seine Stelle Pfarrer Schacht trat, wurde gleich mit den Vorbereitungen für die Anschaffung einer Orgel begonnen.

         Denkspruch

Da die Kirchenkasse des Kirchspiels hierfür nicht das erforderliche Geld aufweisen konnte, musste es auf andere Weise beschafft werden. Auf Antrag des Pfarrers bewilligte die Regierung eine Beihilfe von 1.000 Mark. Das genügte aber nicht. Deshalb wurde eine Liste aufgestellt, die im Kirchspiel "zirkulierte". Jeder konnte sich mit einem Betrag für die Orgel eintragen. Die Einzeichnungen des Oberkirchspiels übertrafen alle Erwartungen. Nicht weniger als 1.000 Mark wurden gezeichnet; ein Beweis dafür, für wie notwendig man eine Orgel hielt.

Im Unterkirchspiel dagegen kamen kaum nennenswerte Beträge zusammen. Hier war man ungehalten darüber, daß nicht an Stelle des vorhandenen Harmoniums auch eine Orgel für die Kirche in Almersbach angeschafft wurde. Nachdem die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung standen, wurde eine Orgel für die Kirche in Oberwambach bei der Firma Paul Ernst aus Barmen für 3.200 Mark in Auftrag gegeben. Die Einweihung fand am 28. Januar 1912 statt.
Wie lange man in der Almersbacher Kirche noch auf eine Orgel hat warten müssen, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers.

Quellenangaben:
1.         Oberwambacher Schulchronik
2.         Beiträge von Karl Ramseger-Mühle in Chronik und Heimatblatt
            - Sonderdruck der Heimatbeilage der Altenkirchener Zeitung - Jahrgang 1933

 

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 1992 des  Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen veröffentlicht. Der Autor Willi Wirth ist in Oberwambach geboren.

 

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