Geschichtliches - Angebliche Spartakisten in Oberwambach - Autor Willi Wirth

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Angebliche Spartakisten in Oberwambach

Ob es kurz nach dem 1. Weltkrieg im Raume Altenkirchen tatsächlich Spartakisten gegeben hat, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Jedenfalls hatten es die Oberwambacher im Jahre 1919 mit angeblich solchen Spartakisten zu tun.

Es war an einem herrlichen Maiabend, als gegen 10.00 Uhr die meist schon schlafende Bevölkerung durch lautstarken Lärm geweckt wurde. In wenigen Minuten war ganz Oberwambach auf den Beinen. Was ging vor sich? Aus dem benachbarten Altenkirchen waren drei Radaubrüder gekommen und gaben sich als Spartakisten aus.
Nach deren Art belästigten und bedrohten sie die friedliche Bevölkerung. Die Oberwambacher allerdings wussten sich zu helfen. Es wurde jede Menge Prügel ausgeteilt. Im Dauerlaufschritt, Hüte und Fahrräder zurücklassend, eilten die angeblichen Spartakisten ihrer Heimatstadt entgegen. Einer von ihnen versprach, dass dies ihr erster und zugleich letzter Besuch in Oberwambach gewesen sei

Kurz darauf erschien im ALTENKIRCHENER KREISBLATT das folgende Gedicht:

Sanft entschlummert ist die Erde, sanft entschlummert Berg und Tal,
sanft entschlummert Oberwambach.
- Über allem Mondenstrahl.

Nur auf dunklen Waldeswegen
schleichen Männer sich dahin.
Nennen selbst sich Spartakiden,
haben heute Raub im Sinn.

In dem Dörfchen Oberwambach kommen jetzt die Kerle an,
schlagen unsanft an die Türen,
weckten Kind und Weib und Mann.

"Wir sind Spartakiden, hört ihr ­
Speck her oder Euch gehts schlecht.
Ferner müsst ihr Eier geben,
Schnell, wir fragen nicht nach Recht.

Wenn ihr's weigert - dann ein Pfiff!
Gleich sind zwanzig weit're hier.
Dort am dunklen Waldesrande
finden Unterstützung wir."

Also sprachen die Gesellen
schlugen auf den Tisch die Faust.
Rollten wild dabei die Augen,
dass den Kindern heut noch graust.

Aber ach, die Räubertaten
sollten schnell hier kläglich enden, Westerwälder Bauernklugheit
sollte rasch das Blättchen wenden.

Gleich nach Ankunft dieser Herren
holte ein beherzter Mann
aus der Nachbarschaft sich Hilfe.
Die rückt jetzt in Massen an.

"Speck und Eier wollt ihr haben,
Speck und Eier in den Sack? Oberwambach will's Euch geben,
Ihr verfluchtes Lumpenpack!"

Und man greift die stolzen Räuber,
Bettet sie im weichen Mist,
prügelt durch sie windelweich dann,
dass es eine Freude ist.

So, nun pfeift herbei die Hilfe
von dem Walde; denn ihr seht
wie wir Speck und Eier geben
- dass das Wiederkomm'n vergeht!"

Und es lachte Mutter Erde,
Und es lachte Berg und Tal,
Und es lachte Oberwambach
- Und es lacht der Mondenstrahl.

Die angeblichen Spartakisten sollen über das Gedicht verständlicherweise sehr erbost gewesen sein. Sonst aber hat es damals allgemeine Heiterkeit hervorgerufen.


Quellenangabe:
Oberwambacher Schulchronik

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 1988 des  Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen veröffentlicht. Der Autor Willi Wirth ist in Oberwambach geboren.

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